Vorwort Kursleitung PDF Drucken E-Mail

 

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer,

1. Oberstes Ziel des Kurses ist es, daß die Teilnehmer mit intakten Knochen wieder nach Hause kommen.

2. Ziel der Veranstaltung ist die Vermittlung fliegerärztlich relevanter Informationen als flugmedizinische Weiterbildung. Der Bogen reicht von der fliegerärztlichen Praxis und dem damit verbundenem medizinischen Wissen der Klasse 1, 2 und LAPL Untersuchungen, über ergonomische Probleme bis hin zur Flugphysiologie, Human Factors, Flugunfallmedizin und Raumfahrt-medizinischen Fragen. Ein weiterer Schwerpunkt sind medizin-rechtliche und logistische Fragen, die sich im Laufe des Jahres aus der fliegerärztlichen und gutachterlichen Tätigkeit ergeben haben. Die Änderungen des Gesetzgebers zur Arbeitsweise der Untersuchungsstellen werden besprochen, zu erwartende Komplikationen aufgezeichnet. Typisches Verhalten der Segelflieger beim Fliegerarzt mit den Grenzen der Untersuchbarkeit werden demonstriert. Die verschiedenen Facetten der Kooperation, mangelnde Einsicht beim alternden Piloten, verschärft durch teils sinnbefreite Gesetze sind Dauerthemen. Die gleichzeitige Tätigkeit als medizinischer Gutachter und als Hausarzt ist Ursache vieler Konflikte bei der Tätigkeit als Fliegerarzt; Auswege für die Beteiligten werden gezeigt. Die verschiedenen Anforderungsprofile, wie z.B. die der Leistungsflieger oder Gelegenheitsflieger, werden mit den dazugehörigen (geringen) Ermessensspielräumen und Tauglichkeitsklassen erörtert. Über praktizierte Kontrollmechanismen der Aufsichtsbehörden werden Erfahrungen ausgetauscht, über widersprüchliche Gesetzesgrundlagen ebenso.

3. Das Fortbildungsziel wird erreicht mit intensiver interdisziplinärer fliegerärztliche Fortbildung mit Seminarcharakter, teils Klausurbedingungen unter aktiver Beteiligung der Teilnehmer.

4. Mehrstündige Segelflüge mit Fluglehrern finden unter Supervision statt, auch einsitzige Flüge. Thermik-, Hangwind- und in dieser Gegend speziell nutzbare Wellenflüge in grossen Höhen im Mistral sollen dem Fliegerarzt zur besseren Beurteilung der fliegerischen Betätigung dienen. Bei den Flugmedizinischen Jahrestagungen sind Vorträge in der Regel nur wenige Minuten lang, ohne Gelegenheit zu eingehender Diskussion. In unserer Fortbildung werden die wichtigen Themen erschöpfend, meist bis in die späten Abendstunden besprochen. Diese Form der Kommunikation unterstützt nicht nur die gutachterliche Tätigkeit, sie kürzt Dienst- und Leidenswege entscheidend ab.

5. Den geplanten, weiterbildungsrelevanten Kern-Themen werden jeweils mit Diskussion bis zu 60 Minuten Zeit eingeräumt. Entsprechend gemachter Erfahrungen werden die Gespräche darüber abends intensiv weitergeführt. Teilaspekte fließen in Vorträge der folgenden Tage mit ein. Die Theorie wird mit paxisrelevanten Themen verknüpft. Die Sondergenehmigungsverfahren der AMC's sind wichtige Ergänzungen des flugmedizinischen Alltags.

6. Medizinische/ ergonomische Kriterien werden aus der ärztlich - physiologischen Nutzerperspektive des Berufspiloten und des Sportfliegers erörtert. Ergänzende Darstellungen an der Schnittstelle Mensch-Maschine aus der Nutzerperspektive sowie Entscheidungsfindungen werden von erfahrenen Piloten, meist begleitet von einem mehrfachen Weltmeister, vorgestellt.

7. Aspekte des Zivil- und Verwaltungsrechts, wie auch andere Spezialfragen werden gemeinsam erarbeitet. Die Unterschiede zwischen Landesrecht, Bundesrecht und Europarecht sind Grundlagen der flugmedizinischen Tätigkeit. Die freiwillige Aufgabe der bürgerlichen Rechte durch Teilnahme am Leistungssport wird häufig diskutiert, verbunden mit der Diskussion der verbotenen Medikamente, die laufend im hausärztlichen Gebrauch sind.

8. Für Vorträge und Diskussionen stehen meist erfahrene Fliegerärzte der DGLRM, häufig auch Dozenten der Akademie für Flugmedizin zur Verfügung.

9. Dauerthema ist und bleibt der Zweck der Flugmedizin, d.h. die Möglichkeiten der Unfallprävention. 2020 werden wieder die veröffentlichten Unfälle der BFU des Vorjahres besprochen, ggf. nach ISO 9001: 2015 mittels FMEA und ggf. SWOT Analyse, wobei allen Beteiligten klar ist, dass das übliche Qualitätsmanagement für die geforderte Prozesssicherheit der Fliegerei und die operativ tätigen Kliniker bei weitem nicht ausreicht.

10. Die fachlichen Themen werden von den berufspolitischen Fragen getrennt, denn dies gehört in den Aufgabenbereich des Berufsverbandes.

Als (ehem.) Veranstaltung einer wissenschaftlichen Gesellschaft sehen sich die Teilnehmer einer gepflegten Diskussionskultur mit kollegialer Hochachtung verpflichtet. Die Umgangsformen im praktischen Teil sind freundschaftlich, herzlich und familiär, bei Fragen der aktuellen fliegerischen Sicherheit teils sehr direkt.

Mit der Hoffnung auf eine weitere, erfolgreiche und interessante fliegerärztliche Weiterbildung 2020 in St. Auban, diesmal Nr. 26, wünschen wir uns einen harmonischen, vor allem aber einen unfallfreien Verlauf.

Thomas Buchsein, Heiko Wassill

 

Der Text stammt zum überwiegenden Teil vom ehemaligen Kursleiter, Herrn Jürgen Knüppel, herzlichen Dank dafür.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bemerkungen vom Netzknecht:

Die meisten Teilnehmer üben einen Beruf aus,
- der von den meisten Mitmenschen nur mit (auch wegen) blanker Angst in Anspruch genommen wird,
- der immer dem Vorwurf ausgesetzt ist, dass man die Diagnose auch schon früher hätte stellen müssen,
- der zu jeder Tages- und Nachtzeit 100%-ig fehlerfrei ausgeübt werden soll,
- der mit allen technischen Möglichkeiten für alle bezahlbar bleiben soll,
- dem sich die Teilnehmer selbst nur in einer Notlage, und meist erst nach maximaler Verdrängung anvertrauen würden,
- der die purste aller Humanismusformen erfordert.

Die Teilnehmer möchten in dem Kurs
- das erleben, über das sie jeden Tag eine Tauglichkeit bescheinigen,
- ab 13:00 + Startfreigabe die Leistungen der Technik erfahren,
- dem Boden und dem Alltagsgeschäft kurzfristig entfliehen,
- mit Gleichgesinnten die Natur, das Wetter und die Landschaft des Gastlandes geniessen,
- ein paar seelenverwandte Freunde wieder treffen,
- die Pflichterfüllung, den Idealismus, die Solidarität und die Menschlichkeit im Sinne von St. Exupéry geniessen,


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- um die Organisation des Kurses zu vereinfachen,
- um die Sicherheit der Teilnehmer zu erhöhen,
- um den Blutdruck der Gastgeber zu senken.

Im allgemeinen bewundert man immer das, was man nicht hat, so sind es die Eigenschaften der ehem. Kursleiters in Form von unendlicher Geduld mit grenzenloser Kurativität, gepaart mit psychiatrischem Gespür für Extremindividualisten, die einen potentiell tödlichen Sport als Gäste ausüben. Wenn man die ersten 25 Jahre Fortbildung in 5 Buchstaben fassen soll, bleibt nur: DANKE liebe Ulla und liebe(r) Jürgen (2x). Der Ausblick auf 2 Wochen in St. Auban hilft über den Winter.